Die Schweizer Antwort

Anfang 2007 trat das Kollektivanlagengesetz (KAG) in Kraft, das mit der Swiss Limited Partnership (SLP) eine in der Schweiz neue Rechtsform für kollektive Anlagen brachte. Diese Rechtsform für Risikokapitalanlagen, sie entspricht der international verbreiteten Limited Partnership, ist schon lange gefordert worden. Und doch dauerte es nun einige Zeit, bis die erste SLP lanciert wurde.

Herr Thalmann, warum dauerte es so lange, bis die erste Swiss Limited Partnership bewilligt wurde? Fehlte es an Interessenten, oder ist die Finanzkrise schuld?

Die Rechtsform der Swiss Limited Partnership wurde vom Parlament mit dem Ziel der Förderung von Risikokapital eingeführt. In der Schweiz gibt es nur eine kleine Anzahl an institutionellen Risikokapitalgebern, wie wir einer sind. Das Potenzial ist somit per se begrenzt. Die Rechtsform war für alle Beteiligten neu, weshalb wir alle etwas Geduld aufbringen mussten.

Doch das Interesse ist da. Ist diese neue Rechtsform zu komplex?

Nein, ich kenne keine andere Rechtsform in der Schweiz, welche in nur zwölf Gesetzesartikeln geregelt ist. Sie haben die Pionierrolle übernommen und mit der Aravis Energy das erste Vehikel mit der neuen Rechtsform lanciert.

Wie lange dauerte das Bewilligungsverfahren?

Wir konnten das Verfahren bei der Bankenkommission und der Finma in rund drei Monaten durchziehen.

Sollten Sie weitere Gesellschaften mit dieser Rechtsform planen, können Sie dann mit einem vereinfachten und rascheren Bewilligungsverfahren rechnen?

Davon gehe ich aus. Ein beschleunigtes Verfahren ist möglich, wenn man den Seca-Mustergesellschaftsvertrag benützt. Seca ist der Verband der Risikokapitalgeber in der Schweiz.

Warum haben Sie sich für die neue Rechtsform entschieden?

Wir sahen drei Vorteile. Erstens verfügen wir und unsere Investoren mit der EBK/Finma-Bewilligung, welche jede SLP zwingend braucht, über eine professionelle Aufsichtsbehörde. Zweitens haben wir keine Einschränkung hinsichtlich öffentlicher Werbung mehr. Und drittens haben wir und unsere Investoren endlich Rechtssicherheit, was die Steuern betrifft.

Was wäre die Alternative gewesen, wenn sich die Einführung des Kollektivanlagegesetzes verzögert hätte?

Bis zur Einführung des KAG gab es die Limited Partnership in der Schweiz nicht. Deshalb musste man sie gezwungenermassen im Ausland gründen.

Wie lässt sich die SLP kurz erklären?

Eine Swiss Limited Partnership hat den ausschliesslichen Zweck der Kapitalanlage. Ein Mitglied, die Managementgesellschaft, haftet unbeschränkt und besorgt die Geschäftsführung. Die anderen Mitglieder, die Investoren, haften nur bis zur Höhe der Kapitaleinlage. Die Kommanditgesellschaft kannte man in der Schweiz schon lange, doch durchgesetzt hat sie sich nie.

Wo ist nun der entscheidende Vorteil und der Fortschritt der neuen Kommanditgesellschaft?

Die alte Kommanditgesellschaft ist für jede Geschäftstätigkeit ohne Bewilligung verwendbar. Die neue Kommanditgesellschaft ist nur für Kapitalanlagen zulässig und muss von der EBK/Finma bewilligt werden. Die neue Kommanditgesellschaft ist die Schweizer Antwort auf die ausländischen Limited Partnerships. Sie ist steuerlich transparent und steuerlich die beste Lösung für Investoren.

Die Limited Partnership eigne sich, ist zu lesen, vor allem für Private-Equity- und Hedge-Funds-Anlagen. Warum?

Die SLP kann von Gesetzes wegen nur für Risikokapitalanlagen verwendet werden. Für die ist sie bestens geeignet. Ob sie für Hedge Funds zulässig ist oder sich eignet, kann ich nicht beurteilen, denn ich bin nicht Spezialist auf diesem Gebiet. Ein heikler Punkt sind immer die Steuern.

Wie sieht es in dieser Beziehung mit der Swiss Limited Partnership aus?

Die Besteuerung der Anlagen erfolgt auf Stufe der Anleger. Dadurch wird eine Mehrfachbesteuerung für Investoren vermieden. Für die Institutionellen, Pensionskassen zum Beispiel, ist die SLP die beste und günstigste Variante. Ausländische Limited Partnerships weisen hohe Steuerrisiken auf und sind administrativ teurer! Die Eidgenössische Steuerverwaltung hat begonnen, bei Investoren, welche in ausländische Limited Partnerships investieren, Steuern – auch rückwirkend! – einzuziehen. Warum sollte ich heute mein Geld im Ausland anlegen, wenn ich das Gleiche auch in der Schweiz machen kann? Und dies erst noch günstiger, mit tieferen Steuern und ohne Steuerrisiken!

Sind realisierte Kapitalgewinne für private Anleger steuerfrei?

Ja, sie sind steuerfrei. Transparenz ist für Anlagen immer wichtig.

Wie sind die Vorschriften, und was sehen Sie in dieser Hinsicht vor?

Bezüglich Transparenz besteht ein vertieftes Einsichts- und Auskunftsrecht für jeden Investor. Jeder Anleger kann jederzeit bei uns in die Geschäftsbücher blicken oder darüber Auskunft verlangen. Das Gesetz sieht einen Halbjahresbericht vor. Wir von Aravis gehen schon seit 2002 viel weiter. Wir verschicken quartalsweise einen Bericht über die Aktivitäten inklusive Bilanz und Erfolgsrechnung.

Können die Kurse laufend verfolgt werden, oder wird der innere Wert nur periodisch berechnet, analog den Hedge Funds?

Risikokapitalanlagen sind langfristige Anlagen. Eine tägliche Bewertung der langfristigen Anlagen macht nicht viel Sinn, da unsere Bewertungen nicht stark schwanken.Wir bewerten quartalsweise.

Sind Produkte mit dieser Rechtsform allen Anlegern zugänglich oder nur Vermögenden mit viel Investment-Know-how?

Das Gesetz sieht gewisse Minimalvorschriften vor, was die Investoren betrifft. Diese Einschränkungen sind zum Schutz der Anleger gedacht.

Hängt der Erfolg der SLP von der Börsenverfassung ab – sind sie quasi Vehikel für gute Börsenzeiten?

Eine SLP hat in der Regel eine Laufzeit von zehn Jahren. Ob eine Korrelation mit der Börse besteht, hängt nicht von der Rechtsform, sondern vom Investitionsfokus ab.

Pionierrolle

Die erste in der Schweiz von der EBK/Finma zugelassene Swiss Limited Partnership (SLP) ist die Aravis Energy I LP. Diese investiert in Portfoliogesellschaften, welche ausschliesslich erneuerbare Energie entwickeln und produzieren (Windkraft und Photovoltaik). Energie brauchen die Menschen auch in Krisenzeiten, sagen die Exponten der Schweizer Risikokapitalgebergesellschaft Aravis, die diese SLP auf den Markt gebracht hat. Die Akzeptanz der grünen Energien steige kontinuierlich – auch deren Preise. Der Erfolg korreliere mit dem Wind- und Sonnenaufkommen, und sei somit weitgehend unkorreliert mit den Finanzmärkten.
Aravis ist Risikokapitalgeberin mit Schwergewicht Biotechnologie und erneuerbare Energien und berät Private Equity-Gesellschaften. Seit ihrer Gründung 1995 hat sie für über 80 Projekte Kapital im Volumen von mehr als 600 Mio. $ vermittelt.

Oliver Thalmann ist seit 2006 für Aravis tätig. An der HSG hat er seine Doktorarbeit zum Thema «Finanzierung von jungen Biotechnologieunternehmen

Interview: Franz Schneider «Die Schweizer Antwort»